Peter Zühlsdorff

Peter Zühlsdorff
Präsident des GfK Vereins

Guten Morgen meine Damen und Herren, sehr geehrte Mitglieder und Freunde der GfK,

es ist mir eine aufrichtige Freude, Sie einmal mehr zu unserer Jahrestagung begrüßen zu können. Auch in diesem Jahr haben viele prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu uns gefunden. Ich hoffe, Sie verzeihen es mir auch in diesem Jahr, dass ich auf Einzelbegrüßungen verzichte – allerdings komme ich gleich mit einer Bitte um Ausnahmegenehmigungen – denn sonst würde es möglicherweise zu lange dauern. Ganz herzlich möchte ich auch die Vertreter der Presse begrüßen, die uns auch über die letzten 12 Monate so freundschaftlich – freundschaftlich kritisch – begleitet hat. Bitte erhalten Sie der GfK Ihre Gunst. Und jetzt komme ich zu der Bitte um Ausnahmegenehmigung. Wir haben hier im Saal zwei der Altvorderen der GfK zu Gast. Ich habe eben entdeckt, dass Herr Werner Ott, langjähriges Vorstandsmitglied des GfK e.V., und Herr Paul Beck, langjähriges Geschäftsführungsmitglied und Vorstandsmitglied der GfK, hier im Saale sind. Herr Beck ist in Begleitung seiner Ehegattin.

Es ist immer wieder bemerkenswert, dass wir hier in diesem Unternehmen, das in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen feiern kann, doch stets solche „Fackelübergaben“ haben, und es ist immer wieder schön, Gesichter und Menschen zu sehen, die so großen Anteil an der Entwicklung dieses Unternehmens haben. Herzliches Willkommen an Sie beide, schön, dass Sie da sind. Zu den 70 Jahren lassen Sie mich noch sagen – Herr Dr. Wildner, das steht, glaube ich, nicht in meinem Redemanuskript – wir haben lange überlegt, ob wir zu diesem Jubiläum eine große Party machen wollen. Aus Kostengründen haben wir dann darauf verzichtet, aber mit 75 Jahren werden wir das voraussichtlich tun, wenn wir dann wirtschaftlich immer noch so stabil sind wie heute.

Gleichwohl haben wir das Siebzigste zum Anlass genommen, um für Sie ein Geschenk auf den Tischen zu platzieren, und zwar dieses GfK-orangefarbige Buch vor Ihnen. Es enthält Faksimiledrucke, z.B. die erste Budgetplanung aus dem Jahr 1934, handgeschrieben von Herrn Prof. Vershoven. Das Budget hatte damals ein Volumen von 22.000 Reichsmark. Vor dem Hintergrund, dass die GfK heute bei einem Umsatz von 600 Millionen Euro liegt, kann man ermessen, was aus diesem Unternehmen geworden ist. Einem weiteren ganz interessanten Beitrag kann man entnehmen, dass im Jahr 1947 das wichtigste Wirtschaftsgut, das ein Deutscher sich wünschte, ein Stück Seife war. Wenn wir das nun in Relation sehen zu den Klagen dieser Tage, dann können wir – wobei ich diese damit nicht reduzieren will – feststellen: wir klagen auf einem sehr hohen Niveau.

Das heutige Thema geht uns alle an, zunächst einmal uns als Menschen, denn der Mensch lebt in der Zeit und mit der Zeit. Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bolz diagnostiziert dem Menschen „…ein gestörtes Verhältnis zur Zeit. Das fängt schon damit an, dass er zu früh geboren wird. Es hört noch lange nicht damit auf, dass wir uns spätestens mit 50 der eigenen Endlichkeit bewusst werden…“, was bekanntlich bei manchen Menschen zu seltsamen Verhaltensweisen führt, die man gemeinhin unter dem Begriff „midlife crisis“ zusammenfasst.
Das Thema Zeit geht uns aber auch als Marketingleute, Marktforscher und Unternehmer an. Konsum braucht Zeit, Einkaufen braucht Zeit, Mangel an Zeit kann Konsum begrenzen. Das Thema Zeit birgt aber auch Chancen. Manchmal konsumieren wir um Zeit zu sparen, wir kaufen uns Handys und Laptops, damit wir Reisezeiten produktiv nutzen und so Zeit sparen können.

Der Megatrend Convenience ist ein Trend zum Zeitsparen. Medienleute sind sich dieser Zusammenhänge schon lange bewusst. Im Marketing und in der Marktforschung ist die Segmentationsvariable Zeitmangel jedoch noch nicht angekommen. Das wollen wir heute, gemeinsam mit unseren Referenten, beginnen zu ändern. Dabei werden wir verschiedene Perspektiven beleuchten.

Frau Prof. Christa Wehner, Professorin für Markt- und Kommunikationsforschung an der Hochschule Pforzheim, wird gemeinsam mit uns die Zielgruppe der Zeitsparer ansehen. Sie kann dabei auf eine aktuelle Verbraucherumfrage der GfK und auf die Daten aus den GfK-Verbraucherpanels zurückgreifen.

„Convenience im Wandel der Zeit“. Dazu wird uns Herr Dr. August Oetker, Vorsitzender der Geschäftsführung Oetker International GmbH, in multimedialer Form vorstellen, wie Dr. Oetker diese Entwicklung mit seinen innovativen Produkten entscheidend mitgeprägt hat.

Haben Zeitsparer wirklich keine Zeit für Werbung? Dr. Haller, Geschäftsführer der Serviceplan Agenturgruppe, wird aufzeigen, über welche Medien und mit welchen Mediastrategien zeitknappe Verbraucher zu erreichen sind. Dr. Haller kann sich hierfür ebenfalls auf aktuelle Umfragen der GfK stützen.

Ein herzliches Willkommen an alle Referenten. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, wir danken Ihnen, dass Sie zu uns gekommen sind.

Nach den Referaten wird das Thema in einer Podiumsdiskussion mit den Referenten und mit Herrn Dr. Klaus Wübbenhorst, dem Vorstandsvorsitzenden der GfK AG, erörtert. Sie wird moderiert von Frau Anne Will, Moderatorin der „Tagesthemen“ in der ARD. Herzlich willkommen, Frau Will und Herr Dr. Wübbenhorst, ich freue mich Ihnen zuhören zu können.

Ich wünsche uns allen, dass diese Mischung aus hochkarätigen Referenten, umfangreichen Marktdaten und aktuellen Untersuchungsergebnissen dazu beiträgt, unser Verständnis des Verhältnisses von Zeit und Konsum zu erhellen.

Lassen Sie uns nun aber keine Zeit mehr verlieren. Ich darf Frau Prof. Wehner bitten, mit ihren Ausführungen zu beginnen.